Silvia Schenk über ihren 1. Arbeitstag am Kindergarten Brunnmatt:
Für die Kinder bedeutet der erste Kindergartentag ein grosser Schritt auf ihrem Lebensweg. Doch auch für mich begann mit der Übernahme des Kindergartens Brunnmatt an diesem Montag nach den Sommerferien ein neuer Abschnitt meiner beruflichen Karriere.
Guten Mutes betrat ich um 8.15Uhr meinen neuen Kindergarten mit dem Plan, mich bei einem Kaffee noch ein bisschen in den Tag hinein zu denken. Der Klassenraum war eingerichtet und der Unterricht geplant. Nichts schien schief gehen zu können. Doch, wie es so ist, „kommt erstens immer alles anders, und zweitens als man denkt“. Schon fünf Minuten später standen die ersten erwartungsvollen kleinen Gesichter vor der Tür und ich startete somit ohne Anlaufzeit und …ohne Kaffee. Die Information, dass der erste Kindergartentag erst um 9.00Uhr beginnt, war wohl nicht überall angekommen. Aber eigentlich war dies gar nicht so schlecht, denn ich hatte überhaupt keine Zeit mehr, meine Nerven flattern zu lassen.
Nach und nach füllte sich der Garderoberaum mit Kindern, Eltern und Grosseltern. Gespannt wurden wir neuen Lehrerinnen betrachtet und teilweise fröhlich, teilweise zurückhaltend, schüchtern oder gar nicht allzu erfreut begrüsst. Nicht jedes Kind schien von diesem grossen Schritt auf seinem Lebensweg begeistert zu sein. Natürlich gab es aber auch solche, die sich mit vollem Elan ins Kindergartengeschehen hineinwarfen.
Schon von diesem Moment an begannen für die Kinder erste Lernschritte. Wo hat jeder seinen Platz? Wo müssen die Schuhe hingestellt werden? Wo gehört das Znünitäschli hin? Das vorsichtige Begutachten des Kindergartenraumes, der beim Bsüechlitag noch etwas anders ausgesehen hatte, schien der erste mutige Schritt hinein in den Kindergarten zu sein. Zum Glück fand jedes Kind schnell seinen Platz im Kreis, denn die Stühle waren extra mit den Kindern zugeteilten Bildchen markiert. Einen Platz zu haben, sich daran auch ein bisschen festhalten zu können, schien gerade in diesem Moment für die meisten Kinder sehr wichtig zu sein. Das Begrüssungslied konnte noch nicht alle Banden brechen. Erst unsere treue Unterrichtsassistentin Zilly, die Schneckenhandpuppe schaffte es, auch die schüchternen Kinder in ihren Bann zu ziehen. Und schon ging es weiter mit dem Lernen. Den Kindern wurde erklärt, dass sie auf ein gewisses Musikzeichen zurück in den Kreis kommen sollten. Aber auch das Znüniritual, welches ebenfalls für die 6-Jährigen aufgrund der neuen Kindergärtnerin neu war, wurde nun zum ersten Mal durchgeführt. Zwischendurch durften die Kinder natürlich die vielen verschiedenen Spielplätze begutachten, austesten und erfahren. Die einen taten dies aktiv, die anderen beobachteten zunächst das Geschehen und gaben sich erst mit der Zeit mehr und mehr ins Spiel mit ein.
Um 11Uhr hiess es dann schon wieder Abschied nehmen, von uns und von Zilly, die natürlich auch wieder mit dabei war. Schon wieder ein neues Lied hören, sich wieder überlegen, wo nun die Finken hinkommen, wo das Znünitäschli ist. Für alle erneut eine Herausforderung. Es schien mir als würden die kleinen Köpfe rauchen. Doch konnte ich in zufriedene, aber müde Gesichter blicken.
Auch unsere Köpfe, und wahrscheinlich auch Zillys Kopf, waren ein bisschen heisser als um 8Uhr. Müde und zufrieden, beendeten wir unseren ersten Morgen schlussendlich mit einem Kaffee und liessen uns den Morgen in Gedanken nochmals durch den Kopf gehen.

